Musikszene | 12.05.2008 | 06:35
Andere, bessere und garstige Lieder: Die Festivals auf der Burg Waldeck

1968 auf der Burg Waldeck - Die Revolution erobert das legendäre Folk-Festival. Zwischen 1964 und 1969 fanden auf der Burg Waldeck im Hunsrück die legendären Folklorefestivals statt. Sie waren die Keimzelle der deutschen Liedermacher- und Folkbewegung und spätestens seit 1968 auch Spiegel der gesellschaftlichen und politischen Veränderungen.
Die Festivals auf Burg Waldeck waren eine Auseinandersetzung mit dem soziokulturellen Mief der Adenauer-Restauration. Sie setzten den Schlagersängern und Heile-Welt-Propheten andere deutsche Texte entgegen und rissen die alten deutschen demokratischen Liedtraditionen aus ihrem Schattendasein.
Die neuen Liedermacher – wie Franz Josef Degenhardt, Reinhard Mey, Walter Moßmann, Schobert & Black, Dieter Süverkrüp und Hannes Wader – fungierten mit ihrem zunächst noch leise oder verklausuliert vorgebrachten Unbehagen an der bundesrepublikanischen Wirklichkeit als Vorboten der politischen Auseinandersetzungen der späten sechziger und frühen siebziger Jahre. Auch die Deutschfolk-Bewegung der siebziger Jahre ist ohne die Festivals auf der Burg Waldeck nicht vorstellbar. Gäste aus aller Welt gaben deutschen Musikern Anstöße, sich mit Folk und Folklore zu beschäftigen.
Bildunterschrift: Großansicht des Bildes mit der Bildunterschrift: Gallionsfigur des politischen Liedes Franz Josef Degenhardt.
Zwar überwog in den ersten drei Festivaljahren das "Folkloristische", doch ab 1966 zeigte sich eine zunehmende Politisierung. Das "kritische Lied" hielt Einzug auf die Waldeck und der Weg zum "Protestsong" war nicht mehr weit. 1967 stand das Festival dann schon unter dem Motto "Das engagierte Lied". Große Koalition, Notstandsgesetze, Vietnamkrieg, Rudi Dutschke und der SDS sowie der Tod von Benno Ohnesorg verlangten nach einer Stellungnahme auch von den Künstlern. 1968 wurden musikalische Programmpunkte und kritische Analyse noch enger miteinander verbunden.
Michael Kleff erzählt von einem turbulenten Festival, von jungen Liedermachern, politischen Debatten und von der Vision, mit Musik die Welt zu verändern.
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