Norbert Walter: Nahrungsmittelkrise verbessert Chancen für EU-Beitritt der Türkei

Chefvolkswirt der Deutschen Bank im Interview der Deutschen Welle
Der Chefvolkswirt der Deutschen Bank, Norbert Walter, hat der Türkei angesichts der Diskussion über die Nahrungsmittelkrise bessere Chancen für eine Aufnahme in die EU eingeräumt. In einem Interview der Deutschen Welle sagte Walter: „Wer beobachtet, wie die Nahrungsmittelpreise steigen, wie heute jedes Stück Land am besten unter den Pflug gebracht werden sollte, der sollte sich über jedes Land freuen, das Agrarkompetenz und Agrarland einbringt. Das betrifft nicht nur die Türkei, sondern auch Rumänien und Polen.“
Niemals hätten die Nettozahler so wenig befürchten müssen, „wenn man Agrarländer in die Europäische Union mit hinein nimmt, wie heute. Denn die Perspektive, dass man mit der Landwirtschaft Geld verdienen kann, war noch nie so gut“, fügte Walter hinzu.
Mit Blick auf eine EU-Erweiterung in Südosteuropa sprach sich Walter gegen eine „schrittweise Aufnahme von Balkan-Staaten“ aus. Das werde in der Region „wie eine Verweigerungshaltung der EU gegenüber bestimmten Teilen des früheren Jugoslawien empfunden“. Dieser Eindruck müsse „schnell überwunden werden“. Das bedeute, „dass die EU richtig hart arbeiten und viele Hausaufgaben machen muss“. Walter: „Der Raum wird nur dann politisch stabil und kommt ökonomisch zügig voran, wenn die Einbindung in die anderen Teile Europas rascher voranschreitet, als in den letzten Jahren.“ Diese Länder könnten sich schneller entwickeln, „wenn sie und Investoren die Rückversicherung hätten, dass dieser Teil Europas sich demnächst nach EU-Regeln entwickeln wird“, so Walter gegenüber der Deutschen Welle.
23. April 2008
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