DW-WORLD.DEDrucken

03.06.2008

Rose Kimotho: „Die internationalen Medien dürfen uns nicht im Stich lassen“

„Minderheiten orientieren sich stets an den Medien, die ihre Interessen vertreten“: Rose Kimotho

Direktorin eines des größten Privatsenders in Kenia beim Deutsche Welle Global Media Forum in Bonn

      

„Internationale Medien bestimmen die Agenda für die Entwicklung in Afrika.“ Das sagte die Direktorin des privaten kenianischen Radiosenders Kameme 101.1 FM, Rose Kimotho, auf dem Deutsche Welle Global Media Forum in Bonn. Deshalb sei es wichtig, dass diese die Konflikte in Afrika weder vereinfacht noch übertrieben darstellten. „Die internationalen Medien dürfen uns nicht im Stich lassen“, so Kimotho.

Zur Rolle von „Hassmedien“ in afrikanischen Konfliktregionen sagte die Radio-Direktorin in einer Diskussionsrunde über die aktuelle Situation von Journalisten in Afrika: „Hass entsteht durch Unwissenheit und Ignoranz. Medien haben eine Schlüsselrolle beim Kampf gegen Stereotype. Journa­listen müssen ihre Verantwortung hierbei erkennen. Sie sind immer auch selbst Teil der Gesellschaft und damit in Gefahr, in Konfliktsituationen Par­tei zu ergreifen. Minderheiten orientieren sich stets an den Medien, die ihre Interessen vertreten.“

Claudia Anthony, UN Radio, Sierra Leone, sagte: „Viele Menschen fühlen sich abgeschnitten von den wichtigen Prozessen und Ereignissen in ihrer Gesellschaft. Dies ist häufig eine Ursache für Konflikte und Missverständ­nisse. Medien müssen den Menschen diesen Zugang bieten.“

Einmütig sprach sich die Runde für ein verstärktes Engagement zur Pro­fessionalisierung von Journalisten in Afrika aus. Auf diesem Feld arbeitet die DW-AKADEMIE mit zahlreichen Partnersendern auf dem Kontinent zusammen und bietet Maßnahmen in Journalismus, Management und Rundfunktechnik. „Journalisten brauchen Foren, auf denen sie miteinander reden können“, sagte Claudia Anthony. Dies sei insbesondere für eine ausgewogene Wahlberichterstattung von Bedeutung.

Apollinaire Malu Malu, Vorsitzender der Unabhängigen Wahlkommission in der Republik Kongo, sagte, Journalisten seien aus Sicht der Regierenden eine „Bedrohung für das Schweigen zu Kriegsverbrechen und Korruption“. Regierende seien insofern daran interessiert, Journalisten für sich zu vereinnahmen. „Deshalb müssen Medien unabhängig von Regierungen sein. Journalisten sind wichtig im Kampf gegen Angst und Einschüchterung und für die Kontrolle von Regierungen.“

3. Juni 2008
67/08

DW-WORLD.DEDrucken

| www.dw-world.de | © Deutsche Welle.