Projekt Zukunft
Spitzenforschung – Das Klimalabor auf dem Jungfraujoch

Wie verändert Staub die Eigenschaften der Atmosphäre? Und welche Auswirkung haben die winzigen Teilchen auf das Klima? Es gibt wohl wenige Labors auf der Welt, in denen sich diese Fragen so gut untersuchen lassen wie in der "Hochalpinen Forschungsstation Jungfraujoch" in den Berner Alpen.
Hier, in 3.580 m Höhe, forschen Wissenschaftler aus den verschiedensten Fachrichtungen: vom Umweltforscher bis zum Mediziner, vom Meteorologen bis zum Astronomen. Unter ihnen sind auch Forscher vom Paul Scherrer Institut, dem Schweizer Forschungszentrum für Natur- und Ingenieurwissenschaften. Sie nutzen die klare Luft und die besondere Lage der Station, um mehr über Staubteilchen in diesen Höhen herauszufinden. Diese sogenannten Aerosole sind Mineralstäube und Pollen, aber auch menschenverursachte Russpartikel aus Auto- und Industrieabgasen. Sie beeinflussen die Wolkenbildung und das Klima. Noch ist wenig bekannt über ihre genaue physikalische Wirkung. Klar ist nur, dass sie einen kühlenden Effekt haben, also dem Treibhauseffekt entgegenwirken. Und das muss in Klimamodellen mehr berücksichtigt werden. Das Leben auf der "Hochalpinen Forschungsstation Jungfraujoch" ist nicht jedermanns Sache: Bis zu Minus 35 Grad Kälte im Winter, ein Drittel weniger Sauerstoff als in den Städten, und die massivste Eisansammlung der gesamten Alpen, der Aletschgletscher sorgen für sehr spezielle Forschungsbedingungen. PROJEKT ZUKUNFT stellt das Institut vor.
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Bildunterschrift: Großansicht des Bildes mit der Bildunterschrift: Das Hochgebirge der Berner Alpen. 3500 Meter Höhe, bis zu Minus 35 Grad Kälte im Winter, scharfe Winde, Wolken, Nebel und dünne Luft. Ein Drittel weniger Sauerstoff als in den Städten und die massivste Eisansammlung der gesamten Alpen, der Aletschgletscher. Nicht gerade menschenfreundlich, sollte man meinen.
Bildunterschrift: Großansicht des Bildes mit der Bildunterschrift: Weit gefehlt, das Jungfraujoch ist ein Touristenmagnet, rund 700-tausend waren im vergangenen Jahr hier oben, ein Rekord und es sollen noch mehr werden. Hin und zurück, das ist ein Tagestrip. Von Interlaken mit der Bahn zur Bergstation "Kleine Scheidegg" am Fuße des gewaltigen Eigermassivs und von dort mit der Jungfraubahn 50 Minuten zum Jungfraujoch. So drängeln sich Japaner, Chinesen aber auch Inder und Andere in der zweithöchsten Bahnstation der Welt – bevölkern Plattformen, Eishöhlen, und Restaurants.
Bildunterschrift: Großansicht des Bildes mit der Bildunterschrift: Meist unbeachtet, das andere Gesicht des Jungfraujochs. Die Sphinx, Forscher und Forschung auf höchstem Niveau. Betrieben von der Schweiz, Deutschland, England, Belgien, Österreich und Italien. Das Forscherhaus am Felsen, wie angeklebt.
Bildunterschrift: Großansicht des Bildes mit der Bildunterschrift: Wer wissen will, wie Umweltforschung aussieht, bitte sehr! Prof. Urs Baltensperger ist der leiter des Paul Scherrer Instituts: "Wir saugen hier die Luft an und verteilen sie dann auf die verschiedenen Messgeräte. Wir haben hier ein Betameter, wir haben hier Kondensationskernzähler, wir sammeln hier die Staubpartikel zur späteren chemischen Analyse. Wir haben hier ein Nephelometer und auf der hinteren Seite dann noch zwei Betameter." So kompliziert, wie es sich anhört, ist es nicht. Es geht um Aerosole – feinste Schwebeteilchen in der Luft, die hier seit 1995 erfasst werden. Das sind Mineralstäube und Pollen aber auch menschenverursachte Russpartikel aus Auto- und Industrieabgasen. Diese Teilchen beeinflussen die Wolkenbildung.
Bildunterschrift: Großansicht des Bildes mit der Bildunterschrift: Hier in drei ein halb Kilometern Höhe ist gewissermaßen die Wetterküche. Aerosolwirkungen sind noch reichlich unerforscht, aber man weiß, dass sie einen kühlenden Effekt haben und der soll in Klimamodellen mehr berücksichtigt werden. Prof. Urs Baltensperger erklärt: "Die weitaus größte Mehrheit der Forscher sind sich darüber einig, dass wir eine Erwärmung haben. Wie groß diese Erwärmung aber ist, das hängt zu einem großen Teil eben von diesem Aerosolkühlenden Effekt ab und damit ist diese Forschung hier ganz zentral wichtig für die zukünftige Bestimmung des Treibhausgaseffektes."
Bildunterschrift: Großansicht des Bildes mit der Bildunterschrift: Auf der Suche nach Erhellung sind auch die anderen Forscherteams. Beispielsweise Nachts, mit Laserstrahlen die bis zu 80 km in die Höhe reichen. Wieder andere machen Kontrollmessungen. So kann, in einem weltweiten Verbund, die Einhaltung von Klimakonventionen überwacht werden. Alles zusammen ein enormer Aufwand in Gipfelhöhe. Möglich ist das, weil die Jungfraubahn gut verdient. Die vielen Touristen bringen Geld und das kommt auch den Wissenschaftlern zu gute. Nur so lässt sich diese Forschungsstation führen. Das hat aber auch seine Kehrseite, denn die Messinstrumente registrieren sogar die Partikel einzelner Zigaretten. Prof. Urs Baltensperger: "Wir möchten vor allem vermeiden, dass auch Helikopter hier die Touristen in der Gegend herumfliegen, weil das sehr deutliche Emissionen produziert. Auch die Touristen reisen natürlich über große Distanzen und tragen damit auch zum Klimaeffekt bei und diese ganze Situation ist schon etwas ambivalent."
Bildunterschrift: Großansicht des Bildes mit der Bildunterschrift: Einen gibt es hier oben, der überhaupt nicht hin und her reist. Martin Fischer lebt seit sechs Jahren mit seiner Frau auf Wolkenhöhe. Er ist weder Forscher noch Tourist, er wartet die Geräte, meldet Wetter, betreut Forscher, ist gewissermaßen Mann für alles.
Bildunterschrift: Großansicht des Bildes mit der Bildunterschrift: Möglichst viele Jahre noch möchte er an klaren Tagen vom höchsten Wohnort Europas auf den Aletschgletscher schauen. Doch das Weltnaturerbe schmilzt langsam. Zeichen der Veränderung auch hier oben, trotz aller Schönheit.
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