Made in Germany (deutsch)
Studiogast – Wolfgang Gerke, Finanzexperte

Wolfgang Gerke ist Präsident des Bayerischen Finanz Zentrums in München. Wir sprechen mit ihm über Unternehmen, die ihre Produktion zurück nach Deutschland holen.
DW-TV: Steiff ist einer der Betriebe, die zurückgekommen sind. Es ist nicht der einzige, es gab auch in der Vergangenheit immer mal welche. Macht denn die Globalisierung gerade wieder eine Rolle rückwärts?
Gerke: Die Globalisierung macht keine Rolle rückwärts, aber einzelne Firmen, die machen die Rolle rückwärts. Die haben Lehrgeld bezahlt, das ist ja dann zum Großteil eine Fehlinvestition, die man getätigt hat. Das sind aber Risiken, die man nur sehr schwer im Vorhinein kalkulieren kann. Es gibt ja auch im Inland Risiken, auch da geht es manchmal schief. Also überraschend ist es nicht, dass Firmen zurückkommen, aber der Saldo, der spricht dafür, dass viele Unternehmen im Ausland investieren. Sie verlagern dann nicht unbedingt den Sitz aus Deutschland raus, aber sie legen viele Produktionsstätten nach außen, aus Kostengründen natürlich. Und dann machen sie vielleicht bei uns nur die Montage.
DW-TV: Lässt sich denn feststellen, ob das eher kleinere Firmen betrifft oder auch größere, die dann wieder zurückkommen?
Gerke: Es betrifft beide, aber auch ganz große Firmen. Wenn man sich ThyssenKrupp anschaut, die schaffen 3500 neue Arbeitsplätze in Brasilien, die könnte man in Deutschland auch gut gebrauchen, natürlich. Aber so ein weltweites Unternehmen muss dann auch dafür sorgen, dass es sämtliche Chancen der Welt nutzt und da profitiert letztendlich auch Deutschland davon. Wir sind Exportweltmeister und können uns selber nicht verschließen. Auf der anderen Seite müssen wir natürlich froh sein über alle, die in Deutschland investieren, also nicht nur diejenigen, die zurückkommen, sondern auch insbesondere diejenigen, die neu nach Deutschland kommen.
DW-TV: Das Fraunhofer Institut hat untersucht, warum die Firmen zurückkommen. Befragt wurden 1650 deutsche Unternehmen des verarbeitenden Gewerbes. Von denen wurde am meisten die mangelnde Flexibilität im Ausland kritisiert, starre Arbeitszeiten und Abläufe, dicht gefolgt von Qualitätsproblemen. Eine geringere Rolle spielen wohl für die Betriebe steigende Personalkosten und schlechte Infrastruktur. Aber hätte man das nicht vorher wissen können, wenn man ins Ausland geht?
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Gerke: Sicherlich, wer strategisch vorgeht, muss auch etwas Geld investieren. Er muss sich vorher anschauen, welche Arbeits- und Umfeldbedingungen er im Ausland hat. Die ändern sich aber auch schnell. Also es kann sein, das die Regierung das Steuersystem ändert, dass plötzlich Kapitalverkehrskontrollen kommen, und man die Gewinne nicht zurücktransferieren kann, dass die Gewerkschaften vor Ort plötzlich mehr auf Streik schalten. Das sind alles Veränderungen, da kann man noch so lange für Untersuchungen bezahlt haben, das kriegt nicht von vornherein geklärt. Aber eines ist klar, das Ausland als solches ist sehr, sehr unterschiedlich, die Kulturen sind sehr unterschiedlich und wer sich darauf nicht einstellt, der hat gleich verloren.
DW-TV: Was kann denn die Bundesregierung tun, um den Trend Leute zurückzuholen, Firmen zurückzuholen, weiter zu unterstützen?
Gerke: Ich weiß gar nicht, ob sie was tun sollte. Ich meine wir sind im Export immer noch bestens aufgestellt. Die Bundesregierung sollte generell dafür sorgen, dass es Spaß macht in Deutschland zu arbeiten und nicht nur, um zurückzuholen, sondern auch denjenigen, die hier arbeiten den entsprechenden Spaß an der Arbeit zu verschaffen. Ich glaube, das sind Programme, die im Moment diskutiert werden, von der Pendlerpauschale bis zu den Lohnnebenkosten - das sind wichtige Themen, die man in Angriff nehmen muss. Ich würde, es nicht nur unter dem Gesichtspunkt sehen: holt die Unternehmen zurück!
Interview: Anja Heyde
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