Werbung, die nicht wie Werbung aussieht

Die klassische Werbung in Fernsehen, Zeitungen und Internet hat immer weniger Einfluss auf die Konsumenten. Deshalb hat die Wirtschaft eine neue Methode entwickelt: Werbung, die der Kunde nicht bemerkt.
Jeden Tag begegnen uns ungefähr 1500 Werbe-Botschaften – offenbar ohne großen Erfolg. "Menschen haben gelernt, wie Werbung funktioniert“, erklärt Wirtschaftsberater Michael Domsalla. Er sagt, dass die Konsumenten ablehnend oder sogar aggressiv auf Werbung reagieren. Sie haben gelernt, Werbung zu ignorieren. Klassische Reklame schafft es immer weniger, zu überraschen oder Aufmerksamkeit zu erregen, so Domsalla.
Ob die Kunden etwas kaufen oder nicht, entscheiden sie immer häufiger mit Hilfe des Internets. Allerdings ist die Werbung für diese Entscheidung in vielen Fällen bedeutungslos. Viele Menschen informieren sich lieber auf Internetseiten, auf denen andere ihre Meinung zu Produkten mitteilen und diskutieren.
Auf dieses Verhalten der Konsumenten reagieren Werbefachleute nun mit Werbung, die nicht wie Werbung aussieht. Auf Video-Portalen wie YouTube machen sie ihre Produkte mit lustigen Filmen bekannt. Hinzu kommen Kommentare in Blogs und Links zu Internetseiten. Das soll bewirken, dass die Menschen über die Produkte reden. Die Botschaft soll sich dadurch wie ein Virus verbreiten.
Doch die so genannte virale Werbung ist viel mehr als ein paar lustige Videos. Sie macht genauso viel Arbeit wie eine klassische Kampagne. Damit ein Video auf der Startseite von Youtube zu sehen ist, muss es mindestens 50.000 Mal angesehen werden. Ob und wie diese neuen Werbekampagnen die Zielgruppe erreichen, ist allerdings noch nicht klar. Denn wenn sich etwas viral verbreitet, kann man es nicht mehr kontrollieren.
Glossar
klassisch – hier: üblich, alt bekannt
Konsument, der – jemand, der etwas kauft und benutzt
Botschaft, die – die Nachricht
aggressiv – wütend
ignorieren – mit Absicht nicht beachten
Reklame, die – alte Bezeichnung für Werbung
Aufmerksamkeit erregen – dafür sorgen, dass etwas beachtet wird
bedeutungslos – nicht wichtig; ohne Wirkung
Werbefachleute, die – Menschen, die Werbung analysieren oder produzieren
Portal, das – hier: eine Internetseite, auf der jeder selber Inhalte veröffentlichen kann
Blog, das (auch: der Blog) – ein Internet-Tagebuch, das von anderen gelesen werden kann
bewirken – als Wirkung haben; zu etwas führen
Virus, das – ein kleiner Organismus, der Krankheiten, z.B. Grippe oder Schnupfen, verursacht
etwas verbreitet sich – etwas wird immer mehr Menschen bekannt
viral – etwas, das wie ein Virus funktioniert
Kampagne, die – verschiedene Aktionen, die alle zusammen eine bestimmte Wirkung haben sollen
Zielgruppe, die – eine bestimmte Gruppe von Menschen, die eine Botschaft erreichen soll
Fragen zum Text
1. Virale Werbung ist …
a) Werbung für Medizin.
b) Werbung, die die Kunden ignorieren.
c) Werbung, die nicht sofort als Werbung erkannt wird.
2. Warum setzen die Firmen virale Werbung ein?
a) Weil sie möchten, dass die Kunden krank werden.
b) Weil die Kunden auf die klassische Werbung nicht mehr reagieren.
c) Weil die Kunden kein Geld mehr ausgeben.
3. Im Internet informieren sich die Kunden …
a) immer weniger.
b) genauso viel wie vorher.
c) immer häufiger.
4. Wenn etwas bedeutungslos ist, dann …
a) ist es wichtig.
b) ist es nicht wichtig.
c) wird es immer wichtiger.
5. Die Firmen stellen ihre Produkte in Blogs und Video-Portalen vor, …
a) damit die Kunden darüber reden.
b) obwohl die Kunden darüber reden.
c) ohne dass die Kunden darüber reden.
Arbeitsauftrag
Welche Arten von Werbung kennen Sie? An welche Werbespots erinnern Sie sich? Was stört Sie an Werbung und was gefällt Ihnen? Diskutieren Sie in der Gruppe, wie Werbung aussehen muss, damit Sie sie beachten, und wie Werbung nicht aussehen sollte.
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